Phishing-Seite melden: die richtigen Stellen in Deutschland

Aktualisiert: 5 Min. Lesezeit Redaktion Bin ich gehackt?
Kurz gesagt

Eine Phishing-Seite meldest du am wirksamsten an drei Stellen: bei Google Safe Browsing, damit Browser warnen, beim Abuse-Kontakt des Registrars, der die Domain sperren kann, und beim Hoster, der die Inhalte entfernt. Phishing-Mails gehen an [email protected], und wenn dir ein Schaden entstanden ist, erstattest du Anzeige bei der Polizei.

Die meisten Phishing-Seiten bleiben online, weil niemand sie meldet. Jeder denkt, das hat bestimmt schon jemand gemacht. Dabei dauert eine gute Meldung fünf Minuten, und die richtigen Stellen können eine Seite oft innerhalb von Stunden sperren oder zumindest mit einer Browserwarnung entschärfen. Hier steht, wo du eine Phishing-Seite meldest und welche Stelle was bewirken kann.

Phishing-Seite melden: die Reihenfolge

  1. Nichts eingeben. Kopiere die vollständige Adresse aus der Adresszeile oder per Rechtsklick auf den Link. Mach einen Screenshot.
  2. Google Safe Browsing. Die schnellste Wirkung für die meisten Nutzer. Chrome, Firefox und Safari nutzen die Safe-Browsing-Listen und zeigen dann eine rote Warnseite.
  3. Registrar der Domain. Er kann die Domain sperren, dann funktioniert sie überhaupt nicht mehr.
  4. Hoster. Er kann die Inhalte entfernen, auch wenn die Domain bleibt.
  5. Mail weiterleiten. An die Verbraucherzentrale und an die Firma, deren Namen missbraucht wird.
  6. Polizei. Wenn du oder jemand anderes geschädigt wurde.

Wer was tun kann

StelleWas sie bewirktWie du meldest
Google Safe BrowsingWarnung in Chrome, Firefox, SafariFormular „Report Phishing“ bei safebrowsing.google.com
RegistrarSperrt oder löscht die DomainAbuse-Adresse aus der Whois-Abfrage
HosterEntfernt Inhalte, sperrt das KontoAbuse-Adresse des IP-Netzes
Verbraucherzentrale NRW (Phishing-Radar)Auswertung, öffentliche WarnungenMail an [email protected]
Imitierte FirmaEigene Takedown-Teams, warnt KundenMeist eigene Phishing-Adresse im Hilfebereich
Polizei (Onlinewache)StrafverfolgungAnzeige online bei deinem Bundesland
BSI Service-CenterBeratung zu IT-Sicherheit0800 274 1000, [email protected]

Die Verbraucherzentrale antwortet nicht auf einzelne Meldungen, wertet sie aber für das Phishing-Radar aus und warnt öffentlich vor neuen Maschen. Das BSI ist keine Meldestelle für einzelne Phishing-Seiten, beantwortet aber Fragen, wenn du unsicher bist, was zu tun ist.

Den Abuse-Kontakt des Registrars finden

Bei .com, .net, .info und allen anderen generischen Endungen steht der Abuse-Kontakt direkt in der Whois-Ausgabe. Hier am Beispiel von google.com, damit du siehst, wie die Zeilen aussehen:

whois google.com | grep -i "abuse"
Registrar Abuse Contact Email: [email protected]
Registrar Abuse Contact Phone: +1.2086851750

Seit dem 5. April 2024 gelten für ICANN-akkreditierte Registrare verschärfte Regeln: Sie müssen ihre Abuse-Kontakte gut sichtbar veröffentlichen, den Eingang einer Meldung bestätigen und bei belegtem DNS-Missbrauch, ausdrücklich auch Phishing, zeitnah angemessene Maßnahmen ergreifen.

Bei .de ist es anders. Der Konsolen-Whois der DENIC zeigt keine Abuse-Kontakte, dafür verweist er auf die Web-Abfrage unter webwhois.denic.de. Dort findest du die Kontaktangaben für Missbrauchsmeldungen.

Den Hoster herausfinden

Erst die IP-Adresse, dann wem das Netz gehört:

dig A verdaechtige-domain.com +short
whois 203.0.113.10 | grep -iE "abuse|orgname|org-name"

Die zweite Abfrage zeigt das Netz, zu dem die IP gehört, und meist eine Abuse-Adresse. Die IP im Beispiel ist eine Dokumentationsadresse, setze die echte aus der ersten Abfrage ein. Steht dort ein CDN wie Cloudflare, ist das nicht der eigentliche Hoster. Cloudflare hat aber ein eigenes Missbrauchsformular und leitet Meldungen an den Hoster weiter.

So formulierst du eine Abuse-Meldung

Abuse-Teams bekommen viele Meldungen. Was schnell bearbeitet wird, ist kurz, sachlich und vollständig. Diese Vorlage kannst du übernehmen:

Betreff: Phishing: hxxps://musterbank-login[.]info/konto

Guten Tag,

unter der folgenden Adresse wird eine Phishing-Seite betrieben,
die die Login-Seite der Musterbank (musterbank.de) imitiert:

hxxps://musterbank-login[.]info/konto

Beobachtet am: 18.10.2026, 14:20 Uhr MESZ
Art: Abfrage von Zugangsdaten und TAN
Beleg: Screenshot im Anhang

Bitte prüfen Sie die Domain und die Inhalte.

Mit freundlichen Grüßen

Die Schreibweise hxxps und [.] ist üblich. Sie verhindert, dass Mailprogramme den Link anklickbar machen. Füge keine Drohungen oder Vermutungen über die Täter hinzu, das verlangsamt eher.

Phishing-Mail weiterleiten

Leite die Mail an [email protected] weiter. Klappt das nicht, kannst du sie dort als .eml-Datei hochladen. Viele Banken, Paketdienste und Zahlungsanbieter haben eigene Adressen für Phishing-Meldungen, meist im Hilfebereich ihrer Website. Klick dafür nicht auf Links in der Mail, sondern ruf die Seite der Firma direkt auf.

Wenn du die Phishing-Domain einmal genau anschaust, siehst du oft das Muster dahinter. Wie man solche Adressen liest, erklärt Phishing-Domain erkennen. Bei Tippfehler-Domains hilft der Artikel über Typosquatting.

Sonderfall Fake-Shop

Nicht jede betrügerische Seite fragt nach Passwörtern. Fake-Shops locken mit günstigen Preisen, kassieren per Vorkasse und liefern nie. Für die Meldung gelten dieselben Wege: Registrar, Hoster und Google Safe Browsing. Bevor du bestellst, hilft dir der Fakeshop-Finder der Verbraucherzentrale bei der Einschätzung, ob ein Shop seriös ist.

Typische Merkmale sind Preise weit unter dem Marktniveau, nur Vorkasse oder Überweisung als Zahlungsart, ein Impressum ohne echte Adresse und eine Domain, die erst wenige Wochen alt ist oder früher einem ganz anderen Zweck diente. Gerade der letzte Punkt ist interessant: Betrüger kaufen gern abgelaufene Domains mit gutem Ruf und bauen darauf einen Shop. Ein Blick in ein Webarchiv zeigt, was früher unter der Adresse stand.

Hast du schon bezahlt, zählt Tempo. Bei einer Überweisung bittest du sofort deine Bank, die Zahlung zurückzurufen. Das klappt nicht immer, aber die Chancen sinken mit jeder Stunde. Bei Kartenzahlung oder PayPal gibt es Rückbuchungs- und Käuferschutzverfahren. In jedem Fall erstattest du Anzeige, denn die Polizei sammelt Fälle desselben Shops und kann sie zusammenführen.

Wer selbst einen Shop betreibt, sollte gelegentlich prüfen, ob jemand den eigenen Namen für eine Kopie nutzt. Eine Suche nach dem Shopnamen mit Zusätzen wie „outlet“ oder „sale“ findet solche Seiten oft schneller als jede Kundenbeschwerde.

Wenn deine eigene Marke imitiert wird

Dann bist du nicht nur Melder, sondern Betroffener. Neben den Meldungen oben lohnt es sich, Kunden zu warnen und die eigene Domain-Situation zu prüfen. Hat der Angreifer deine echte Domain kompromittiert statt eine Kopie anzulegen, ist der Ratgeber Website gehackt, was tun der richtige.

Vorbeugend registrierst du die Varianten, die Betrüger am liebsten nutzen. Eine Prüfung, ob deine Marke mit Zusätzen wie „login“ frei ist, zeigt dir in Sekunden, was noch offen ist. Bei betadomain gibt es dafür rund 490 Endungen zu festen Jahrespreisen, und wer viele Varianten automatisiert überwachen oder registrieren will, kann die Domain-API für Entwickler nutzen.

Schritt für Schritt

  1. Nichts eingeben, Adresse sichernDie vollständige URL kopieren, ohne die Seite weiter zu benutzen, und einen Screenshot mit Uhrzeit anlegen.
  2. Bei Google Safe Browsing meldenDie URL über das Meldeformular von Google Safe Browsing einreichen, damit Browser eine Warnung zeigen.
  3. Registrar und Hoster ermittelnPer Whois den Registrar und dessen Abuse-Adresse, per dig und IP-Whois den Hoster herausfinden.
  4. Abuse-Meldung schickenEine kurze, sachliche Meldung mit URL, Zeitpunkt, imitierter Marke und Screenshot an beide Abuse-Kontakte senden.
  5. Phishing-Mail weiterleitenDie Mail an [email protected] und an das imitierte Unternehmen weiterleiten.
  6. Bei Schaden Anzeige erstattenWenn Daten eingegeben wurden oder Geld geflossen ist, über die Onlinewache der Polizei Anzeige erstatten.

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Häufige Fragen

Bekomme ich eine Antwort auf meine Meldung?

Von Google Safe Browsing und der Verbraucherzentrale nicht, die werten Meldungen gesammelt aus. ICANN-akkreditierte Registrare müssen den Eingang einer Missbrauchsmeldung bestätigen. Hoster antworten unterschiedlich, manche mit Ticketnummer, manche gar nicht.

Kann die DENIC eine .de-Phishing-Domain löschen?

Die DENIC verwaltet die .de-Registrierungen, für Inhalte ist sie nicht zuständig. Nach der Rechtsprechung des BGH muss sie nur bei offenkundigen, ohne Weiteres erkennbaren Rechtsverletzungen tätig werden. Der schnellere Weg ist meist der Registrar oder der Hoster. Den Abuse-Kontakt einer .de-Domain findest du in der Web-Abfrage der DENIC.

Ich habe meine Daten auf einer Phishing-Seite eingegeben. Was jetzt?

Ändere sofort das Passwort beim echten Dienst und überall, wo du es ebenfalls verwendest, und aktiviere 2FA. Bei Bankdaten rufst du deine Bank an, Karten sperrst du über den Sperr-Notruf 116 116. Danach Anzeige erstatten und Kontoauszüge in den nächsten Wochen genau prüfen.

Lohnt sich eine Meldung überhaupt, wenn die Seite morgen woanders steht?

Ja. Phishing-Kampagnen leben oft nur Stunden bis Tage, und jede Stunde, in der Browser warnen, verhindert Opfer. Eine Safe-Browsing-Meldung schützt Nutzer von Chrome, Firefox und Safari, auch wenn die Domain selbst noch erreichbar ist.